Bienen

1. Einleitung

1.1 Geschichte der Imkerei

Wer sich mit Bienen befasst, öffnet eines der geheimnisvollsten Bücher der Natur. Die Arbeit mit Bienen ist ein Schlüssel zum Verständnis der Naturzusammenhänge und ihrer Gesetzmässigkeiten. So alt die Menschheit ist, mindestens so alt ist auch die Biene. Und eben so lange ist das Schicksal der Bienen mit dem des Menschen verknüpft. Sie ist ihn seit Jahrtausenden dienstbar. In der Spinnengrotte (Cueva de la Arana) bei Valencia (Spanien) wurde eine Felsmalerei entdeckt, die bezeugt, dass im europäischen Raum seit der Jungsteinzeit Honig von wilden Bienenvölkern geerntet wurde. Die Felsmalerei wird auf ca. 12’000 Jahren datiert.

Auch für die alten Ägypter war die Biene etwas Göttliches. Die Biene wurde als eines der Symbole verwendet und als Königshyroglyphe mit dem Pharao gleichgesetzt. Honig galt in Ägypten als Speise der Götter.

Auch im antiken Griechenland war die Imkerei eng mit der Mythologie verbunden. Die Biene war Symbol für Fruchtbarkeit. Bienen waren für die Griechen die Vögel der Muse, Honig war die Quelle der Weisheit, Beredsamkeit und der Dichtkunst. Die praktische Imkerei erlebte im antiken Griechenland und später auch im römischen Reich eine Blütezeit.

Nördlich der Alpen bildeten sich im Mittelalter vor allem in den Klöstern bedeutsame Zentren der Bienenhaltung und Zucht. Dies war nicht verwunderlich. Zum einen war Honig lange Zeit vor allem im Mittelalter der einzige Süsstoff, zum andern erhöhte sich der Verbrauch an Wachs von Jahrhundert zu Jahrhundert. In den Kirchen brannten Tag und Nacht Wachslichter. Zu Ostern wurden mächtige Osterkerzen entzündet, und an Feiertagen erhellte ein Lichtermeer die Klosterkirchen.

Nebst der Hausbienenzucht entwickelte sich mehrheitlich in Nordosteuropa die Waldbienenzucht. Die wilden Bienenvölker wurden nicht mehr wie bei der Honigjagd restlos geplündert und abgetötet, sondern nur ein Teil ihres Honigvorrates entnommen, soviel aber belassen, dass die Bienen gut durch den Winter kommen konnten. Man nannte diese Honigentnahme Zeideln. Der Zeidler besass das Recht, in dem ihm zugeteilten Waldbezirk geeignete Bäume mit dem Zeidelbeil auszuhöhlen, um Nistmöglichkeiten für wild zufliegende oder selbst eingefangene Bienenschwärme zu schaffen und war befugt auch Waffen zu tragen. Das Zeidelhandwerk stand durch Jahrhunderte in vollster Blüte. Jedoch war es zeitraubend die Bienenvölker erst in den endlosen Wäldern zu suchen um sie dort zu betreuen. Die Zeidler schnitten die Bäume um und trugen die Klötze, in denen die Bienen hausten, in ihr Heim.

So entstanden die ersten Klotzbäuten. Der erste Schritt des Werdens der Biene zum Haustier war vollzogen.

Im letzen und vorletzten Jahrhundert vor unserer Zeit überschlugen sich förmlich die Erfindungen und brachten aus den ursprünglichen Klotzbäuten und anderen Bienenbehausungen die uns heute bekannten modernen Bienenkästen und Behälter hervor. Viele Gerätschaften kamen hervor und wurden durch das Bessere wieder verdrängt. Massgebend für die rasante Entwicklung der Imkerei waren nebst moderner Behausungen die Erfindung der Mittelwandpressform 1857, die Honigschleuder 1865 und die Königinenzucht des selben Jahres.

Im wesentlichen finden wetterfeste einzelnstehende Kästen, die Magazinbeute, und der Hinterbehandlungskasten, der durch einen Unterstand oder durch ein Bienenhaus vor den Unbilden des Wetters geschützt werden, Anwendung.

Typisches Zeichen unserer Imkerei ist das Bienenhaus für 10 bis 20 Völker in Schweizerkästen. Das Bienenhalten und Züchten ist bei uns ausschliesslich Freizeitbeschäftigung. Die Berufsimkerei ist in unserer Region bedeutungslos, da gegenüber den Erträgen von Honig zu grosse Aufwendungen stehen. Die dichte Besiedlung, die intensive landwirtschaftliche Nutzung des knapp bemessenen Bodens und die ungünstigen Klimaverhältnisse bieten keine optimalen Voraussetzungen für Berufsimkereien, die auf ergiebige und regelmässige Honigerträge angewiesen sind. Zum einen fehlen bei uns wilde, ausgedehnte, pflanzenvielfälltige Busch- und Auenwälder sowie Hecken und natürliche Waldränder, zum andern ist der Obstbaumbestand seit 1950 um rund 70% zurückgegangen. Diese Umstände sind für die stete Reduktion der Bienenvölker nach 1950 verantwortlich. Gesellschaftliche Veränderungen in der Freizeitgestaltung wirken sich aus zu einem negativen Trend in der Anzahl der Bienenvölker als auch in der Anzahl der Imker.

Durch den internationalen Bienenhandel gelangte die Varroamilbe 1986 in unsere Gegend. In kurzer Zeit waren alle Bienenvölker von der Varroa befallen. Die erwachsene Varroa krallt sich auf der Biene fest, durchbohrt mit ihrem Saugrüssel dünne Hautschichten und ernährt sich vom Bienenblut, Unsere Bienen erkennen die Milbe nicht als Feind und wehren diese nicht ab. Auf Grund dessen haben nur die Bienenvölker überlebt, die von Imkern erfolgreich gegen die Varroa behandelt werden. Es gibt bei uns seit Ende der achtziger Jahre keine wildlebenden Honigbienen mehr. All diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass die Anzahl der Bienenvölker drastisch geschrumpft ist. 1950 zählte man in der Schweiz 350’000 Völker, 2002 waren es nur noch 152’000. Das gleiche Bild zeigt sich in der Anzahl der Imker. 1950 37’000, 2002 15’000.

Einer Studie zufolge, die in Österreich durchgeführt wurde, haben Schüler zwischen 8 und 10 Jahren in der Schule die ersten Einführungen in das Leben der Bienen. Mit 35 sind dann die ersten werdenden Imker zu verzeichnen. Können die Jugendlichen heute für die Bienen nicht begeistert werden, so kann in 25 Jahren auch keine oder nur wenige Imker erwartet werden. Schreitet diese Dezimierung der Anzahl an Bienenvölker stetig voran, werden in 25 Jahren die Anzahl der Bienenvölker auf etwa einem Drittel von heute vorhanden sein. Dann ist die Bestäubung von Flora und Fauna nicht mehr gewährleistet.

Ertrag und Qualität landwirtschaftlicher Obst-, Beeren- und Samenkulturen hängen davon ab, ob zur richtigen Zeit eine ausreichende Anzahl Bienen die Blüten befliegen können. Kirschbäume, die nicht nur durch Wind, sondern vor allem durch unsere Honigbiene bestäubt werden, erbringen 10- bis 30 mal höhere Erträge. Dank guter Bestäubung durch Bienen wird der Zucker- und Säuregehalt des reifen Obstes gesteigert und die Lagerfähigkeit verbessert. Aus diesen Gründen werden die Imker in industrialisierten und intensiv genutzten Landwirtschaftsbetrieben für die Aufstellung von Bienenvölkern in blühende Kulturen für die Bestäubungsleistung mit bis zu 30.00 Fr. entschädigt. Die Bienen sind im Unterschied zu anderen blütenbestäubenden Insekten wie Hummeln und Solitärbienen blütenstet. Sie fliegen längere Zeit immer auf dieselbe Blütenart und erzielen dadurch bei der Bestäubung eine viel höhere Effizienz. Unsere Honigbiene leistet übers Jahr 80% an der Gesamtbestäubung. Da die Honigbiene die einzige blütenbestäubende Insektenart ist, die als Volk mit 10’000 bis 15’000 Individuen überwintert, ist sie im Frühling praktisch die Einzige, die die nötige Bestäubungsleistung erbringen kann. Ein Hummelvolk ist erst im Spätsommer voll entwickelt. Aber nicht nur die Blüten der Nutzpflanzen werden zu 80% von den Bienen bestäubt, sondern auch Zier- und Wildpflanzen, wie Brombeere, Heidelbeere, Faulbaum, Schneeball, Schwarz- und Weissdorn, Stieleiche, Windrose. Ökonomisch betrachtet übersteigt die Bestäubungsleistung der Honigbiene den wirtschaftlichen Wert ihrer Honigproduktion um das 10-fache. Der Honigertrag ist durchschnittlich bei 150.00 Fr. pro Jahr, der Handlungspreis eines Bienenvolkes ist ca. 150.00 und die Bestäubungsleistung 1500.00.

1793 veröffentlichte Christian Konrad Sprengel sein Buch “Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen”. Er erkannte, dass die Farben der Blütenkronen und die mannigfaltige Bildung der Blumen sich auf die Insekten beziehen, letztlich aber auf die Bestäubung und Vermehrung der Pflanzen hinzielen, wodurch die Natur ihren grossen Endzweck erreicht, nämlich die Erhaltung der Art und die Vermehrung der Individuen jeder Art. Die Natur scheint es nicht zu wollen, dass irgendeine Blume durch ihren eigenen Blütenstaub befruchtet werden soll. Er erkannte als erster richtig den Tauschhandel zwischen Blüten und Insekten. Die Insekten tragen den Blütenstaub auf ihrem Körper von Blume zu Blume und werden mit Nektar entlöhnt. Beobachtungen des Bienenfluges veranlasste Sprengel 1811 die Herausgabe seines zweiten Buches. “Die Nützlichkeit der Bienen und die Notwendigkeit der Bienenzucht von einer neuen Seite dargestellt”. Er konnte sich durch seine Beobachtungen und Feldstudien überzeugen, dass die Bienen weit nützlichere Tiere sind, als man bis dahin geglaubt hatte, sie gehören zu den vorzüglichsten und unentbehrlichsten Haustiere. Der Gewinn an Honig und Wachs sei nicht der Hauptzweck der Bienenzucht, sondern nur eine Nebensache, eine blosse Accidens. Der Hauptzweck ist die Befruchtung der Blumen und die Beförderung reichlicher Ernten. In seiner Zeit waren seine Erkenntnisse revolutionär. Sprengel wurde von den Gelehrten seiner Zeit, so auch von Goethe, kritisiert und belächelt. Erst Generationen später erfassten die Forscher den wahren Wert seiner Aussagen.

Comments are closed.